Shimshal 2020 Erstbegehungen

Shimshal, schon lange eine Idee zum Erkunden, stand diesen Sommer plötzlich ganz spontan auf dem Plan: Wir suchten eine realisierbare Alternative zum Tien Shan Gebirge: Kirgistan und Kasachstan waren geschlossen, dafür machte Pakistan gerade die Grenzen auf. So kontaktierte Expeditionsleiter Felix Berg den aus dem Shimshal Tal stammenden Ali Mirza Baig und schnell war ausgemacht, dass wir eine Erkundung um 6000 Meter Höhe angehen.

Team der Shimshal – Expedition

  • Felix Berg, Expeditionsleiter, Deutschland
  • Gabriel Stroe, Deutschland
  • Patrik Münkel, Deutschland
  • Markus Hohle, Deutschland
  • Arshad Karim, Pakistan
  • Mirza Ali Baig, Pakistan

Ali Shah Baig und Sher Zaman versorgten uns im Basislager mit köstlicher Verpflegung. Für das 3-tägige Trekking dorthin halfen uns einige Träger und Muli-Treiber.

Reiseverlauf zum Basislager

Am 9. August öffnete Pakistan seine Grenzen, am 10/11. August reiste Felix vor und am 12/13. August folgte das restliche deutsche Team. Shimshal, das Dorf, wo ca. 2000 Menschen leben und wo die Familie von Mirza Ali Baig herkommt und viele seiner Verwandten noch wohnen, erreichten wir am 14. August. Dort wurden die finalen Pläne erst geschmiedet und es ging am nächsten Tag los: Am 1. Tag erreichten wir Gar-e-Sar (“über dem Kopf des Steins”), am 2. Tag Purien-e-Sar und am 3.Tag das erstmalig bezogene und neu benannte Michelle Basecamp auf ca. 4950m.

Bergtouren im Shimshal

Das Wetter war während des Anmarsches hervorragend. Mit Ausnahme von einigen kleinen meist morgendlichen Störrungen mit Niederschlag waren die folgenden sieben Tage, die wir zum Bergsteigen hatten, sehr gut und konnten genutzt werden.

Team nach Ankunft in Karimabad, Hunza, Nord-Pakistan.
  • 20/ Aug – AM Peak, 5770m

Besteiger: Felix Berg, Patrick Münkel, Gabriel Stroe, Mirza Ali, Arshad Karim.
Route: AD- (max. 60° ice / 800Hm ab BC)

Besteigung, Beschreibung: Um 5:00 begannen wir den Aufstieg vom Basislager. Steiniges Gelände führte auf einen Grat (5300m). Dieser führte nach einer Abflachung (ca. 5400m) über Blockgelände zu steindurchsetzten Schneefeldern/Gletscher (40-50° steil), die ansteigend gequert wurden, um eine Scharte (ca. 5700m) zu erreichen. Ein überwechteter Grat führte über Steilaufschwung (60°) zum Gipfel. Dieser wurde nacheinander von den Teilnehmern zwischen 10:00 und 11:00 erreicht. In dem Zeitraum bestiegen Felix, Patrick und Gabriel die einige Meter niedrigeren Nebengipfel. Gemeinsam wurde der Abstieg begonnen und zwischen 12:30 und 14:00 erreichte das Team das Basislager.

  • 22/Aug – Koh e Dhg’hg, 6105m

Besteiger: Felix Berg, Patrick Münkel, Arshad Karim, Gabriel Stroe.
Route: TD- (M4/5, 60° ice / 1100Hm ab BC)

Besteigung, Beschreibung: Um 4:30 begannen wir den Aufstieg vom Basislager. Ab ca. 5300m führte ein Gletscher in das steiler werdende linke Couloir. Nach einer Engstelle (55° hartes Eis) folgten 45-50° Hänge, teils mit Zackenfirn überzogen. An deren Ende querten wir rechts (Blockgelände, II/III) ins Eis/&Firnfeld unter der markten Scharte (ca. 6070m) zwischen den Doppelgipfel . Der rechte Hauptgipfel wurde nordseitige über Schnee und einen Steilaufschwung kombinierten Geländes (M4/5, ca. 10m) erstiegen. Der Hauptgipfel (6105m) wurde zwischen 11:40 und 12:10 erreicht. Patrick bestieg noch den technisch einfach vom Sattel über Schneegrat zu erreichenden Nebengipfel (ca. 6080m). Der Abstieg erfolgte überwiegend abseilend über das zentrale Hauptcouloir bis zum Gletscher. Diesen folgten wir in Seilschaft, einige Spalten, zur Aufstiegsroute. Zwischen 16:00 und 18:00 waren alle Teilnehmer wieder im Basislager.

  • 24/Aug – Johnny Danger Couloir

Begeher: Patrick Münkel, Felix Berg, Markus Hohle.
Route: AD (55° ice, 400 Hm)

Begehung, Beschreibung: Um ca. 6:00 begannen wir den Aufstieg vom Basislager. Wir stiegen um 8:00 in das Couloir ein, dass über ca. 550m Kletterlänge, weitestgehend 50-55° steil zum Sattel (ca. 5700m) rechts eines markanten Felszahns führte. Diesen erreichte das Team um 12:15. Ein Ausrutscher von Markus führte zum Abbruch der Tour.

Namen: Die Berge liegen im nördlichen Shimshal, Karakoram, entlang des Weges zum Shimshal Pass auf der linken / nordöstlichen Talseite. Die Berge waren zuvor unbenannt. Koh e Dhg’hg bedeutet „Berg der Tochter“ und AM steht für Astrid-Maria. Ganz links in der Kette liegt der Samina Peak (5900m), nach Samina Baig, die mit ihren Bruder den Berg erstbestieg, benannt. Dieser ist auch als Chashkin Sar (“über milchigen Grass”) bekannt. In Sinne dieser Geschichte von Women Empowerment wurden die Namen nach Frauen, respektive für jeden zugänglich der höchste Berg nach der Tochter benannt und so mit dem SNT (Shimshal National Trust) abgesprochen und festgehalten.

Abenteuerliche Rückreise

Angefangen mit dem Abbruch der letzten Tour wurde die Expedition noch sehr abenteuerlich. Unfall, zum Glück sehr glimpfliche Verletzungen, zügige Rettung am Berg, mit etwas Warten per Helikopter in Krankenhaus: So vergangen die letzten zwei Tage beim Basislager. Zum vorgesehenen Abmarsch am 26. August wurde das Wetter schlechter: Dem Trek war schon etwas mehr Nervenkitzel verliehen, doch der erwartete Steinschlag bliebt zum Glück aus.

Der Monsun traf Pakistan spät, Überschwemmungen in Karachi und Schlammlawinen im Norden machten Headlines. Nach 2 Tagen Trekking mussten wir am 29. August von Shimshal nach Gilgit schon mal etwas laufen, um eine Blockade zu umgehen und erlebten ein paar Steinschlagangriff auf unser Auto mit. Das Wetter wurde dann zum Glück etwas stabiler, der Wecker wurde auf 4:30 gestellt.

Am 29. August machten wir uns von Gilgit auf den Weg nach Islamabad entlang des Karakorum Highways. Vorbei an vorherigen Unglücksstellen und mehrere Kilometer Fußmarsch inklusive erreichten wir nach 15 Stunden den Flughafen, pünktlich zum Check-In.

Angeblich Pandemie zugrundeliegender Regelung – vielleicht war es auch einfach der Geruch? – verweigerte Qatar Airways den Mitflug, doch Türkisch Airlines nahm uns auf. So flogen wir und landeten nach knapp 3-wöchigem Abenteuer wieder daheim.

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