Ama Dablam Bericht

Wie sollte man die Expedition besser anfangen als mit einem Bericht der vergangenen Expedition? 

 

Ama Dablam 2010 Expeditionsbericht von Arne Bergau 

 

Es war ein sehr internationales Teilnehmerfeld, dass sich zur diesjährigen Summitclimb Ama Dablam Expedition Anfang November in Kathmandu zusammen fand. An Nationen waren vertreten UK, USA, Südafrika, Israel, Finnland, Belgien und Bayern, ergänzt um Argentinien und Indien durch unsere beiden Expeditionsleiter. Das Altersspektrum reichte von 27 bis 53. Doch schnell entdeckt man die Gemeinsamkeiten und es bildete sich ein bemerkenswerter Teamgeist, der die gesamte Expedition andauern sollte.

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l.n.r.: Das Team im Basislager, das 1.Lager, das 2.Lager bei der Ama Dablam ExpeditionNach letzten Vorbereitungen und einem mit der Baruntsegruppe gemeinsamen, humorvollen Briefing durch den Gründer von Summitclimb, Dan Mazur, erreichen alle bis auf drei Teilnehmer, den Expeditionsleiter Max Kausch und eine beträchtliche Menge Gepäck Lukla wie vorgesehenen am 12. Oktober. Da die vorausgegangenen 3 Tage alle Flüge wegen schlechten Wetters ausgefallen waren, herrscht ein gemässigtes Chaos am Flughafen, doch die nepalesischen Betreiber haben auf für uns undurchsichtigen Weise alles im Griff. Der Flug lässt zum ersten mal richtig Adrenalin durch die Adern pulsieren, als die kleine zweimotorige Maschine in atemberaubender Nähe über einige Pässe und an Bergflanken hinwegzieht. Erst in letzter Sekunde taucht die etwa 300 m lange an einem Berghang klebende Landebahn von Lukla zwischen den bauschigen Cumuluswolken auf. Nun trennen sich unsere Wege von denen der Baruntseaspiranten und wir machen uns auf den Weg nach Namche, das wir nach zwei gemütlichen Tagesetappen auf dem spektakulären Everest Basecamp Trek erreichen. Hier richten wir uns zur besseren Akklimatisierung und um unseren Expeditionsleiter und die restliche Ausrüstung aufschliessen zu lassen zwei Tage in einer gemütlichen Lodge ein. Die letzten Annehmlichkeiten der Zivilisation wie Internet, Espresso und Apfelkuchen werden genossen und vom Everest View Hotel erheischen die Teilnehmer einen ersten Blick auf den Everest/Lhotse sowie das Expeditionsziel, die Ama Dablam. Inzwischen wieder vollzählig und voller Motivation ziehen wir weiter nach Pangboche, wobei wir dem ehrwürdigem Kloster in Thengpoche einen Besuch abstatten. Eine weitere kurze Tagesetappe bringt uns dann ins idyllische Basecamp, eine weitläufigen Wiese auf 4600 m, durchflossen von klaren Gebirgsbächen. Sie ist so topfeben, dass sie früheren Expeditionen als Landepiste diente. Schnell entsteht unsere kleine Zeltstadt mit geräumigem Mannschaftszelt, Duschzelt und je einem Geodäten pro Teilnehmer – welch ein Luxus!

 

Wieder haben wir zwei Tage zum Ausspannen und Gewöhnen an die Höhe, während unsere Climbing Sherpas bereits die kostbaren Lagerplätze in Camp 1 für uns sichern. Nach einer praktischen Einweisung in Aufstiegs- und Abseiltechniken am Fixseil und der obligatorischen Puja Zeremonie sind wir dann bereit für den ersten Gang ins ABC, wo wir eine Nacht verbringen werden. Dank der extrem geländegängigen Yaks haben wir auch hier, auf 5400 m, maximal möglichen Komfort mit Küchenzelt und geräumigen Hochlagerzelten. Eine nahegelegene Quelle gewährleistet die Wasserversorgung. In der Nacht macht sich die Höhe doch bei allen bemerkbar alle sind froh am nächsten Tag wieder ins Basecamp zurückzukehren. Zuvor gehen wir jedoch noch ins Lager 1 und deponieren dort unsere Kletterausrüstung. Die nächsten 2 Tage sind angefüllt mit Müssiggang, die kulinarisch interessierte Fraktion lockt der Apfelkuchen in Pangboche, die hartgesottenen Skandinavier gehen im nahe gelegenen See baden. Stets werden wir morgens mit einer Tasse Tee geweckt, doch kaum ein Teilnehmer wagt sich aus den Daunen bevor die ersten Sonnenstrahlen das Lager streifen. Das Wetter besserte sich in den letzten Tagen erheblich und tagsüber ist es jetzt bei Windstille angenehm warm. Kaum verschwindet die Sonne oder kommt leichter Wind auf, wird es in dieser Höhe jedoch empfindlich kalt. Abends verlagert sich das soziale Leben dann ins Mannschaftszelt wo, begleitet von Musik aus den elektronischen Medien einiger technologisch bestens ausgestatteter Mitglieder, exzessiv um Streichhölzer gepokert wird. Jedoch basiert unsere Energieversorgung völlig auf Photovoltaik, und an bewölkten Tagen müssen wir schon mal auf Kerzen zurückgreifen, was der guten Stimmung jedoch keinen Abbruch tut. Während wir es uns gut gehen lassen, versehen die Climbing Sherpas unseres Teams zusammen mit Expeditionsleiter Max, der noch vom Cho Ovu blendend akklimatisiert ist, Passagen zwischen Lager1 und Lager 2 sowie den kompletten Grat zwischen Lager 2 und 3 mit Fixseilen. Durch die üppige und gute Küche gestärkt sind wir nun bereit für den zweiten Akklimatisierungsaufenthalt, der eine Nacht im ABC sowie zwei Nächte in Lager 1 vorsieht. Über die bereits vertraue Moräne geht es diesmal schon spürbar leichter ins ABC. Über grobblockiges Gelände und zuletzt leichte mit Fixseilen gesicherte Platten klettern wir dann ins Lager 1 am Beginn des Grates. Hier befinden sich noch zahlreiche Zeltplätze mit jedoch meist recht steiniger Unterlage. Auch hier haben wir ein Küchenzelt und unser phänomenales Kochteam versorgt uns mit Köstlichkeiten.

Ama Dablam Gipfel Ama Dablam

Auf einer Tagestour zum Lager 2 legen wir nun auch erstmals hand and den Fels des Südwestgrats. Eine Reihe von schönen und luftigen Kletterstellen in meist gutem Biotit Gneis leitet unter die technische Schlüsselstelle der Route, den gelben Turm. Hier müssen 25 senkrechte Meter überwunden werden, was in 6000 m Höhe ganz schön anstrengend ist. Am Gipfel dieses Turms liegt wie ein Adlerhorst Lager 2, das nur 7 Zelte beherbergen kann. Wir deponieren unsere Kletterausrüstung und machen uns auf den Rückweg ins BC, das wir nach einer weiteren Nacht in Lager 1 erreichen. Alle haben die Höhe gut vertragen, was zeigt, dass Max’ Akklimatisierungstaktik Früchte trägt, und wir für den Gipfelgang bereit sind. Noch nicht bereit dagegen ist die Route zwischen Lager 3 und dem Gipfel. Unsere Sherpas waren in den vergangenen Tagen die einzigen, die an der Route arbeiteten. In der Zwischenzeit sind weitere Expeditionen aus Neuseeland, USA und UK eingetroffen und man einigt sich darauf, dass Sherpas dieser Teams in einer gemeinsamen Aktion die Route vollenden. Am 29. Oktober beobachten wir vom Basecamp aus die Fortschritte am Gipfelaufbau. Die Sherpas arbeiten sich rasch bis in Gipfelnähe vor, müssen aber eine Seillänge unterhalb aufgrund der fortgeschrittenen Tageszeit abbrechen. Dessen ungeachtet steht unser Plan für den Besteigungsversuch bereits. Das Team wird sich in 3 Gruppen aufteilen, die jeweils von mindestens einem Sherpa und Leiter begleitet werden und zeitlich um einen Tag versetzt starten. So ist gewährleistet, dass jeder sein Tempo gehen kann, keine Wartezeiten entstehen und vor allem genug Platz in Lager 2 ist, wo wir nur 3 Zelte platzieren konnten. Alle Teams gehen von Lager zu Lager, damit ist der 4. Tag für den Gipfel vorgesehen. Wir hoffen, dass die Route bis dahin vollendet sein wird. Das erste Team trifft am 2. Oktober mittags in guter Verfassung in Lager 2 ein. Im ABC waren zuvor über Nacht 15 cm Neuschnee gefallen, der jedoch unter der intensiven Sonne rasch dahin schmolz und nicht weiter störte. Inzwischen war auch die Route fertig fixiert worden und es gab die ersten Summits, was die Zuversicht enorm erhöhte. Der Rest des Tages wird mit Schneeschmelzen und Regeneration und -hydrierung für den Gipfelangriff verbracht. Das einzige Mal während der gesamten Expedition muss selbst gekocht werden.

 

Am Gipfeltag brechen die Teams zwischen 0 und 2 Uhr 30 auf, da Lager 3 dieses Jahr aufgrund Eisschlaggefahr vom Dablam, einem gewaltigen Serac auf 6500 m Höhe, nicht genutzt werden kann, und der Weg weit ist. Erstmalig klettern wir nun in Bergschuhen und mit Steigeisen im Licht der Stirnlampen über steiles Mixed Gelände am Grauen Turm und einen ausgesetzten Firngrat, die Mushroom Ridge. Bei Sonnenaufgang erreichen die Teams das ehemalige Lager 3. Von hier aus sind es noch  gut 500 m über 50° steilen Firn  bis zum Gipfel. Normalerweise trifft man hier auf Schnee mit guten Trittstufen, offenbar hatte dieses Jahr aber eine gewaltige Lawine den gesamten Hang abgeräumt, sodass blankes Eis zum Vorschein kam. Die riesige Abrisskante des Schneebretts knapp unterhalb des Gipfelgrats war weithin sichtbar. Am Dablam Serac vorbei arbeiten wir uns langsam an den Fixseilen empor. Das Gehen auf Frontalzacken ist in dieser Höhe unglaublich anstrengend. Team 1 hat zudem mit einem eisigen Wind zu kämpfen, der die -15 °C zu gefühlten -30°C werden lässt. Dagegen braten Team 2 und 3 tags darauf bei Windstille regelrecht in der Sonne, die den Gipfelaufbau um etwa 9 Uhr 30 erreicht – was für Gegensätze! Irgendwann ist auch der Eishang zu Ende und vor uns eröffnet sich das lang ersehnte und hart erarbeitete Panorama: die gewaltige Kulisse der Hauptkette mit 5 der höchsten Berge der Erde: Everest, Lhotse, Makalu und Cho Oyu sowie weit im Osten Kanchendzönga. Weiter Gyachung Kang, Nuptse und Baruntse, an dem, wie wir später erfahren, am selben Tag die Summitclimb Expedition erfolgreich ist. Dahinter die endlose Weite Tibets.

 

Leider ist uns keine ausgiebige Gipfelrast vergönnt, denn es steht noch ein langer Abstieg bevor. Team 1 muss sogar noch bis Lager 1 absteigen, um den Platz in Lager 2 den aufsteigenden Teams 2 und 3 zur Verfügung zu stellen. Zudem ist stets mit Stau an den Fixseilen durch im Aufstieg befindliche Kletterer zu rechnen. Doch alle Teams erreichen ohne Zwischenfälle müde aber glücklich bis 21 Uhr 30 die Lager 2 bzw. 1. Am 6. November sind dann alle Teilnehmer wohlbehalten im ABC zurück, wo wir den Gipfelerfolg mit einer kalorienreichen Torte feiern. Die richtige Party jedoch wartet in Kathmandu. Wir machen uns umgehend auf den Weg nach Lukla, um sicherzustellen, dass alle ihre internationalen Flüge von Kathmandu wahrnehmen können. Mit mehr Wetterglück können diesmal alle Teilnehmer am 8. Oktober ausfliegen.

 

Wir haben sicher eine unvergessliche Zeit erlebt, die Stimmung war stets ausgezeichnet und dank der Umsicht unseres Expeditionsleiters, des hohen Engagements der Sherpas und Küchenmannschaft sowie der effizienten Logistik war die Expedition ein voller Erfolg, nicht nur hinsichtlich der Gipfelquote (9 von 11 TN). Auch die dem Gipfel vorrangigen Leitsätze von Summitclimb, eine gute Zeit im Team erleben, und gesund zurückkommen, wurden uneingeschränkt mit Leben erfüllt.

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